Helmut Hubacher: «Basel war Liebe auf den ersten Blick!»

Er ist schwer zu erreichen. Auf dem Telefonapparat spricht der Beantworter. Auf der Faxmaschine pfeift es schrill.

Also lasse ich Tonnen von Papier durch: «KÖNNEN WIR ZUSAMMEN ESSEN?»

Dann endlich – seine Stimme am Hörer: «Klar. In der Kunsthalle. Ich esse aber mittags nur wenig. Gut frühstücken, ja. Und abends schlagen wir nochmals zu. Mit Apéro. Und allem Gemütlichen. Aber mittags: bescheiden!».

Erschienen am: 
Sonntag, 20. Januar 2019

Der Kutscher

Rosario zog an seinem Toscano. Der Stumpen war längst erloschen.

«Wie ich», dachte der Kutscher bitter. Der Zoff mit Sohn Carlo hatte ihm erneut eine schlaflose Nacht verschafft.

Sein Sohn wollte, dass der Alte endlich mit der Kutsche aufhöre.

ROSARIO WOLLTE DAS NICHT.

Ein Leben lang hatte er Gäste mit Lara durch Rom gekutscht.

Es war ein gutes Leben gewesen.

«Du und Lara seid zu alt für den Job, Papa …», hatte Carlo getobt.

Klar. Der Junge hatte nie in seine Fussstapfen treten wollen.

Erschienen am: 
Freitag, 18. Januar 2019

Von Rotkäppchen und Karl Marx

Illustration: Rebekka Heeb

Märchen haben meine Kindheit verzaubert. Ich war süchtig danach. Psychologen würden behaupten, dass meine Kindheit märchenhaft war. Auch mädchenhaft.

Aber vermutlich waren die Geschichten von Prinzessinnen, die Frösche küssten und dafür einen feschen Kerl bekamen, die Flucht in eine Welt, in der mir wohler war.

Erschienen am: 
Dienstag, 15. Januar 2019

Mary Poppins

Lore schaute zum Himmel.

Dann aufs Meer.

GRAU OBEN.

GRAU UNTEN.

«Grauenvoll», seufzte Lore.

Sie hatte den trüben Januar fliehen wollen. Und Sonne in der Toskana gebucht.

ABER: Die Sonne lässt sich nicht buchen.

Immerhin – der Hotel-Portier versucht gut Wetter zu machen: «Buon giorno, bella donna!»

Lore wusste: Fake News! Sie ging gegen 80. Hatte Runzeln wie ein liegengebliebener Apfel.

UND GICHTSCHÜBE!

Was nun?

Erschienen am: 
Freitag, 11. Januar 2019

Von der lebendigen Krippe und Liesels Holz vor der Hütte

Illustration: Rebekka Heeb

«WILLST DU WIRKLICH GEHEN?»

Innocent schaut genervt von seinem Buch hoch: «Wir gehen doch immer – weshalb nicht auch dieses Jahr?»

Er negiert sein Alter.

Er negiert die Gehstöcke.

Er negiert meine Einwände.

«ES SIND IMMERHIN ÜBER 300 STUFEN. S E H R S T E I L E STUFEN, MEIN LIEBER… UND DU WACKELST BEIM GEHEN WIE EIN KAHN AUF HOHER SEE…»

In solchen Momenten hört er nichts. Er schaut einfach in sein Buch. Und: «Hast du etwas gesagt?»

Erschienen am: 
Dienstag, 8. Januar 2019

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