Kater Odermatt liebt Fasnachtsmusik

Illustration: Rebekka Heeb

Odermatt ist wunderbar. ICH HABE MICH SOFORT IN IHN VERLIEBT: Gross. Mit Schenkeln, die zupacken können. Und mit diesem Charme, dass sich die Frauen vor ihm auf den Rücken legen. Sie stossen dann diese heiseren Schreie aus, neben denen eine Pornoqueen ein Lüftchen ist.

Odermatt ist kastriert. Dennoch: Er päckelt jede und alles. Wenn das Geschrei gegen Mitternacht unerträglich wird, muss ich mit dem Wasserwerfer aufmarschieren. Ähnlich wie die Polypen bei den Impfgegnern. Doch wie gesagt: Odermatt hat keine Treicheln mehr.

Erschienen am: 
Montag, 21. Februar 2022

Vom Operetten-Singen und der Lebensfreude...

Illustration: Rebekka Heeb

Er singt. Früher hat er nie gesungen. Ausser, wenn ihm etwas auf die Eier ging. Das waren dann aber die schrillgiftigen Töne. Jetzt: alle fünf Minuten die gemütliche Arie des «Schweinderl»-Züchters aus dem Zigeunerbaron.

Er singt nicht nur, wenn er throntechnisch muss (ihr kapiert schon und wollt es nicht näher ausgeführt haben). Er trällert auch im Bett. Beim Blumengiessen. Und natürlich unter der Dusche.

Erschienen am: 
Montag, 7. Februar 2022

Von «Gstältli», Hüftgürteln und Strapsen

Illustration: Rebekka Heeb

Als Kind trug ich so etwas wie Strapse. ES WAR HORROR! Die Kembserweg-Omi nadelte mir Strümpfe auf Teufel komm raus. Sie strickte mit einer Wolle, die kratzte. Man hätte mit der Wolle auch rohes Holz polieren können. ABER HIER WAREN ES MEINE BEINE! Sie nannte es «Gstältli». An einem ausgeleierten Gummigürtel lampten Schnallen wie die Häute von ausgelutschten Weisswürstchen runter. Mit Perlmuttknöpfen wurden die gräulich grauen Wolldinger am Hüftgürtel festgeknüpft.

Erschienen am: 
Montag, 24. Januar 2022

Gabriel Vetter: «Kellnern in der Kunsthalle - das war meine Basler Rekrutenschule»

Foto: Lucia Hunziker

Man kann sich seine Vettern nicht aussuchen.

DEN ABER SCHON!

Er ist mein Lieblingsvetter. Also: «Wo essen wir?»

«Gundeli. Kennst du die Wanderruh? Ich finde ja schon den Namen heiss und...»

Also wurde die Wanderruh zu unserer Vetternwirtschaft.

Ich bin zu früh. Spate nochmals die Unterlagen durch: Gabriel Vetter - in Beggingen aufgewachsen...

BEGGINGEN?

Er selber nennt es das New York der Ostschweiz.

Erschienen am: 
Samstag, 22. Januar 2022

Von der Food-Blenderin und den Eiern des Papstes...

Illustration: Rebekka Heeb

Meine Mutter war das, was man eine «nicht unbedingt begnadete Köchin» nannte. Es waren die Worte meines Vaters. «Lotty hat andere Qualitäten» - ergänzte er sein Statement augenzwinkernd. Aber der nackte Fakt: SIE KOCHTE UNTER JEDER SAU!

Andrerseits: «Habt ihr schon bei Lotty gegessen? - Göttlich! Einmalig! So etwas musst du weit suchen...» MUSSTE MAN!

Erschienen am: 
Montag, 10. Januar 2022

Von der Reise auf die Insel und Sternen

Illustration: Rebekka Heeb

Er wollte weg. Abhauen. Anfang Dezember stand er in Trainerhosen und dem gelben Sommerkittel vor dem Lift: «Wann kommst du endlich? Ich habe gepackt!» - «Wohin willst du denn?» - «Auf die Insel. Die Festtagslichter warten auf uns.» Tatsächlich leben wir auf dem winzigen Inselfleckchen Le Cannelle weit weg von jeder Zivilisation - wir schicken diesen Bericht mit Rauchzeichen ab.

Erschienen am: 
Montag, 27. Dezember 2021

Weihnachtsgeschichte: Der Gesang der Kühe

Nein. Das war jetzt wirklich keine weihnächtliche Bilderbuch-Kulisse. Keine Tannenäste mit dicken Schneepelzen. Keine Eiszapfen an den Giebeln. Keine grauen Wölkchen beim Ausatmen.

Zwar hatten die Wetterfrösche eine weisse Weihnacht versprochen. Doch nur schmale, eisige Kunstschneeflecken erinnerten daran, dass es in Adelboden eigentlich Winter sein müsste.

Erschienen am: 
Freitag, 24. Dezember 2021

Colette Greder: «Ich hatte null schauspielerische Erfahrungen»

Foto: Lucia Hunziker

«Wollen wir essen gehen?» Heiseres Lachen. Dann: «Du weisst aber schon, dass unser letztes Interview ein halbes Jahrhundert zurückliegt - du warst der Erste, der mich damals in der Garderobe mit Fragen gelöchert hat » Sie sagt es in diesem wunderbaren Elsässer Dialekt, der de Gaulle die Schuhe aufgehen liess - und uns Baslern das Herz.

Erschienen am: 
Samstag, 18. Dezember 2021

Von den neuen Apotheken und den alten Hausmittelchen

Illustration: Rebekka Heeb

Herr Dreher war unser Apotheker. Er drehte noch selber. Und salbte auch. Wenn ich mit meiner Mutter die alte Apotheke an der Ahornstrasse betrat, holte er ein grosses, schweres Glas. Drinnen verstaubten dunkle Stängel: Süssholz. Ich durfte mir so ein Süssholzästlein aussuchen. Ich mochte kein Süssholz. ICH KAM EHER AUF DEN HIMBEER-BONBON-TYP RAUS! Und diese Dääfeli bewahrte Frau Iseli in ihrem Lädeli für die Kleinen auf.

Erschienen am: 
Montag, 29. November 2021

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